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"Geht nicht, gibt's nicht"

....kaum. Du selbst hast eher die Erfahrungen gemacht, dass es mit den Jahren schlimmer wird, also wieso daran glauben, dass positive Veränderung möglich ist?

 

In diversen Foren wird sich rege ausgetauscht, doch «seziere» ich die Diskussionen, fällt mir eines immer wieder auf: Misophoniker suchen die Lösung im Aussen. Sie fühlen sich durch Geräusche, Handlungen oder bestimmte Bewegungen anderer Menschen provoziert. Miso-phoniker suchen Hilfe in technischen Gerätschaften, unterschiedlichsten Medikamenten, Ministudien mit wenigen Probanden, in der Auseinandersetzung mit dem Gegenüber und diversen Erklärungen bis Entschuldigungen für das eigene Verhalten. Sie springen auf Züge auf, die Ihnen vermitteln, es könnte eine neuronale Veränderung im Gehirn sein oder eine logische Verknüpfung mit anderen Krankheits-bildern.

 

Alles verständlich, denn der Misophoniker kennt nicht die Erfahrung, dass sich die Dinge für ihn zum positiven ändern. Die Gedanken des Misophonikers drehen sich um das Symptom, aber wenig um das Ziel. Genau deshalb ist im Laufe des Misophonikerlebens auch die Über-zeugung entstanden, dass Sie selbst nichts ändern können. Auch mich habe so manche Trigger begleitet, ich weiß wovon ich rede und genau deshalb habe ich folgende  Überzeugung in mein Leben geholt: «Geht nicht, gibt’s nicht»

 

Ich habe mich über verschiedenste Wege  weitestgehend befreit, denn ich wollte raus aus der Opferrolle. Ich wollte raus aus dem Gefühl

des Ausgeliefertseins, der Hilflosigkeit und der Opferrolle. "Geht nicht, gibt's nicht" 

Ich habe mich auf die Suche gemacht, wie ich sonst Veränderungen in meinem eigenen  Leben, aber auch im Leben meiner Klienten  in- stalliere. "Wieso also nicht den Versuch wagen?" Alles was mir geholfen hat, mich weiterbrachte, ist nun Bestandteil der Misophonie-Therapie in meiner Praxis.

 

Ich habe bestimmter Glaubenssätze und Überzeugungen aufgedeckt und aufgelöst, ich habe mich mit der Misophonie auseinandergesetzt indem ich sie zu meinem Gegner, zu einem ungebetenen Gast in meinem Leben erklärt habe. Ich bin «ins Tun gekommen», damit ich nicht mehr Opfer äußerer Begebenheiten bin.  Und ich habe mich auch befreit mit dem Aufdecken der Ursachen.

 

Genau diese Vorgehensweise hat mir die Einsicht gebracht, dass nur der Betroffene selbst Veränderung herbeiführen kann, wenn er /sie wirklich will. Ich weiß, dass es geht, vllt. nicht zu 100%, aber zu einem großen Teil. Ich weiß es von mir und von meinen Klienten, die sich bewusst auf den Weg gemacht haben. Von Klienten, die die Opferrolle hinter sich gelassen haben und der Misophonie aktiv die Stirn geboten haben.